Als ich Ende März dieses Jahres mit meiner Frau von Dortmund nach Esens an die ostfriesische Nordseeküste gezogen bin, war mein Plan, vor Ort wieder Aikido zu praktizieren. Eine Internetrecherche brachte schnell Ernüchterung. Die nächste Aikido-Gruppe war in Norden, etwas über 30 km von meinem neuen Wohnsitz entfernt. Mir schwebte schon vor, selbst eine Aikido-Gruppe zu trainieren. Da aber vor Ort und im nahen Umfeld keine Gruppe existierte, habe ich die Leitung der Aikido-Gruppe Norden per Mail höflich angefragt, ob ich dort mittrainieren dürfe. Ich habe sehr schnell eine positive Antwort erhalten. So habe ich mich also auf den Weg gemacht und bin in Norden sehr nett und unvoreingenommen in die Aikikai-Gruppe aufgenommen worden.
Dennoch war mein Wunsch, in der Nähe meiner Wahlheimat Aikido anzubieten. Daher hatte ich schon vor unserem Umzug Kontakt mit dem größten Sportverein, dem TuS Esens e.V., aufgenommen und um ein Gespräch mit dem Vorstand gebeten. Dieses Gespräch mündete in dem Ergebnis, eine Aikido-Sparte in dem Verein ins Leben zu rufen. Die neue Aikido-Sparte wurde mit Plakaten, auf der Webseite sowie auf dem Instagram-Account des Vereins beworben. Umso ernüchternder war die Tatsache, dass zum angekündigten Start niemand erschien und es gab auch im Netz oder per Mail keinerlei Reaktion.
So einfach wollte ich nicht aufgeben und so sind der Verein und ich erneut in die Bewerbung, diesmal noch intensiver, eingestiegen. Es meldete sich ein Teilnehmer, der auch am ersten Tag erschien und der Aikido-Sparte bis heute treu geblieben ist. Langsam, aber nach und nach, kamen weitere Interessenten hinzu, sodass ich jetzt tatsächlich von einer Aikido-Gruppe beim TuS Esens e.V. reden kann.
Da die Verfügbarkeit von Trainingszeiten in den Sportstätten der Stadt Esens und des Landkreises Wittmund aufgrund der vielen Sportgruppen eingeschränkt ist, habe ich wegen meines Wunsches nach einem zweiten Trainingstag Kontakt zum Judo-Club Aurich e.V. aufgenommen. Die Vorsitzende des Vereins Kathrin Reck hat mir noch am gleichen Tag auf meine Mail geantwortet. Sie war begeistert von meinem Angebot, eine Aikido-Sparte im Judo-Club Aurich ins Leben zu rufen. Also haben wir uns in Aurich, etwas mehr als 20 km von meinem Wohnhaus entfernt, getroffen und besprochen, wie wir eine solche neue Sparte gründen und bewerben könnten. An der Stelle bedanke ich mich bei Kathrin und sage, dass ich selten so eine Powerfrau mit so viel Energie, Fleiß, Ideenreichtum und einer hervorragenden Organisation getroffen habe: mein allergrößter Respekt!
Kurzfristig organisierte Kathrin ein Probetraining im Verein, einen Auftritt beim Erntefest der Landfrauen auf dem Markt in Aurich (zu der mein langjähriger Weggefährte Dietmar Andre, 2. Dan, extra angereist ist!) und die Bewerbung mit Plakaten und Flyern. Mal eben so! Darüber hinaus gestaltete Kathrin die Bewerbung über den Instagram-Account des Judo-Clubs Aurich, über die Webseite und ein Live-Interview bei Radio-Ostfriesland. Wieder mal eben so aus dem Ärmel!
Daher war ich über sechs Teilnehmerinnen (!) beim ersten Training nicht weiter erstaunt. Kathrin hat alle Aktionen, auch während sie am ersten Training teilgenommen hat, per Instagram in die Öffentlichkeit gebracht. Der Verein macht nicht umsonst eine so positive Entwicklung. Mittlerweile sind weitere Teilnehmer hinzugekommen, sodass ich für Anfang 2027 geplant habe, beide Gruppen dem Deutschen Aikido-Bund e.V. und dem Aikido-Verband Niedersachsen e.V. zu melden. Parallel plane ich einen Dojo-Einführungslehrgang. Ich gehe davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler meiner bisherigen Vereine, die Freundinnen und Freunde befreundeter Vereine und hoffentlich auch die neugewonnenen Freundinnen und Freunde aus Norden hinzukommen werden. Das wäre mein größter Wunsch. O-Sensei hat immer betont, dass Aikido verbinden soll. Eine gute Gelegenheit, wie ich meine.
Zuletzt möchte ich den vielen jüngeren Aikidoka, ich bin jetzt 66 Jahre alt, noch folgende Gedanken mit auf den Weg geben: Trainiert weiterhin fleißig und wenn euer Weg euch die Möglichkeit gibt, selbst eine neue Aikido-Gruppe ins Leben zu rufen, dann zögert nicht. Tut es! Es ist nicht unbedingt leicht, aber es lohnt sich. Die selbstständige Tätigkeit als Lehrerin bzw. Lehrer im eigenen Dojo wird euch auf dem eigenen Weg weiter voranbringen. Wenn ihr meine Beratung wünscht, biete ich diese gern an. Meine Erreichbarkeiten sind auf den Webseiten meiner Vereine zu finden.
Und ganz zum Schluss möchte ich mich bei meinem Aikido-Lehrer Edmund Kern, 8. Dan Shihan, bedanken, dass er mir diesen Weg eröffnet und erheblich gestaltet hat: Domo arigato gozaimasu, Sensei.
Hubert Luhmann,
Bundestrainer